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Familie VOS schrieb aus dem paraguayischen Chaco, 2010-2011.



Dienstag, 4. Mai 2010

Ein paar Eindrücke

... wie es momentan hier aussieht:


Linea 10 in Loma Plata - es staubt.


Landschaft bei Sonnenuntergang - der helle Streifen ist kein Nebel sondern Staub.


Zur Zeit weit verbreitet: blühende Flaschenbäume.


Eine Rinderherde und ihre ständigen Begleiter - Kuhreiher - fliehen vor unserem zu plötzlich auftauchenden Auto.


Im Moment ist Taubensaison; überall sieht man Tauben, ob in großen Schwärmen, einzeln brütend oder in Gruppen auf Bäumen... Die Taubenjagd ist hier eine weitverbreitete Beschäftigung und es kann auch schon mal vorkommen, dass mitten auf der Straße - außerhalb der Ortschaft - jemand steht und nach oben schießt.

(Anke)

Samstag, 1. Mai 2010

Unsere Woche

Tanzen, Feiern, Katzen...


In dieser Woche war bei uns neben Schul- und Kindergartenalltag einiges los. Unsere neuen Eindrücke der Laguna Capitan von Mittwoch haben wir ja bereits vorgestellt.
Am Donnerstagabend hatte Amalia ihre erste Tanzaufführung.
Seit ein paar Wochen geht sie einmal in der Woche zu einer Tanzschule und besucht dort die `Pre-Ballet´- Klasse. Die Mädchen – von 2 ½ bis 5 Jahre alt – lernen hier unterschiedlichste Tanzstile kennen. Ein Bild vom paraguayischen Tanz stelle ich ein; mehr kommt – auch ein Video – falls ich die Erlaubnis der anderen Mütter bekomme, die Aufnahmen ins Netz zu stellen. Es war sehr schön und entgegen unserer Erwartungen hatte Amalia keinerlei Probleme damit vor so vielen Menschen auf der Bühne zu stehen. Wir waren erst gegen 22 Uhr zu Hause, sodass unsere Mädels, die sonst um halb acht im Bett liegen, sehr geschafft waren und keinen Ton mehr von sich gaben, als sie erst einmal lagen.

Am Freitag, den 30.04. war in Paraguay der Tag des Lehrers – für uns ein ganz neuer Feiertag; was bedeutete das?
1.) Man wird von Kollegen, Schülern usw. dazu beglückwünscht, dass man Lehrer ist.
2.) Nach der vierten Stunde wird der Unterricht beendet – das freut dann auch die Schüler besonders.
3.) Das Kollegium trifft sich dann in einem Restaurant, wo gemeinsam – zum Großteil bezahlt von den Eltern – gegessen wird.
4.) Vorher werden jedoch noch Reden gehalten, Gedichte vorgetragen, gesungen und:
5.) Es gibt eine Tombola! Hier werden Geschenke von Geschäften aus der Umgebung unter den Lehrer verlost. Es gab in diesem Jahr z.B. Präsentkörbe, Handys, Motorradhelme, einen Tisch, einen Ventilator, Handtücher und Parfum. Das Damenparfum hat Holger gewonnen und direkt an mich weiter gereicht. Zur Freude der Kollegen stand auf der Präsentpackung des Geschäfts: "regalo para vos" (eigentlich = Geschenk für euch, aber Geschenk für vos passt in diesem Fall natürlich besser).
6.) Im Anschluss wurden noch Präsente eines Ausschusses (Sozialausschuss) verteilt – der für die Organisation dieses Tages zuständig war. Es gab Thermosbehälter mit dazugehörigem und an dem Behälter zu befestigenden Trinkbecher. Beides lederbezogen und der Thermosbehälter mit Emblemen der Schule und der Stadt Loma Plata bedruckt sowie dem Namen des Lehrers/der Lehrerin eingraviert. Wir glauben, die neuen LehrerInnen haben dieses Präsent bekommen, also auch wir beide. 7.) Dann gab es das Essen: Buffet und Fleisch am Spieß, mit dem die Kellner rumgehen und nach Wunsch verteilen. War sehr lecker – Amalia fand auch das Fleisch gut, das können wir ja nicht beurteilen. (Auch hier für unsere zukünftigen Besucher: Chacos Grill werden wir bestimmt mit dem einen oder anderen aufsuchen.)
8.) Nach dem Essen war dann Schluss – für heute. Am Montag in den ersten beiden Stunden ist wohl so etwas ähnliches wie ein Abischerz geplant. Also die Schüler planen ein Programm, in dem die Lehrer dann irgendwelche Aufgaben erfüllen. Leider kann nur einer von uns teilnehmen, da in den ersten beiden Stunden (6.50-8.10 Uhr) die Kinder ja noch nicht wach bzw. ausgehfertig sind. So wird Holger dann Aufgaben erfüllen, die die Schüler stellen und ich werde – obwohl die Schüler auch für mich etwas geplant hatten – zu Hause bleiben. Schade ;-)

Heute haben wir nun endlich unsere kleinen Katzen abgeholt. So ganz glücklich sind sie - verständlicherweise – mit ihrer neuen Situation nicht. Aber ich denke, da sie zu zweit sind, werden sie sich schnell eingewöhnen. Wir haben sie übrigens Bella (links im Bild) und Luzi getauft.
(Anke)

Donnerstag, 29. April 2010

Laguna Capitan - Extended Version

Surreale Landschaften und Vogelvielfalt
Gestern haben wir uns nachmittags spontan entschieden, zur Laguna Capitan zu fahren. Bisher waren wir immer nur sonntagvormittags dort, sodass wir zwar den Bereich um die Lagune ablaufen konnten, jedoch in den Bereich des "Natur- und Freizeitparks" nicht gelangen konnten, da er - wie wir dachten - abgesperrt war.
Gestern war das Tor offen und wir trafen das Ehepaar, das für das Naturreservat zuständig ist an. Sie zeigten uns, wo wir verschiedene Routen laufen könnten und sagten uns, dass wir auch, wenn sie nicht da seien, einfach das Tor öffnen und dort spazieren könnten. Da es schon später Nachmittag war, und durch starke Bewölkung ziemlich dunkel, konnten wir leider nicht so lange bleiben, wie wir wollten.
Wir liefen lediglich einen kleinen Teil der fast ausgetrockneten Lagune entlang, entdeckten immer wieder interessante Dinge und fotografierten, bis der Akku leer war. Die Landschaft, kahle Äste in aufgerissener Erde oder umgeben von Salzkruste, mit zahlreichen Tierspuren, wirkte teilweise fast surreal. Wir werden - da sowohl erholungsbezogen als auch fotografisch sehr lohnenswert - den Ort bald wieder aufsuchen und sicher auch mit jedem Besucher dort hinfahren.
Ich habe, glaube ich, mein erstes Reh bzw. Spitzhirsch gesehen, er war aber weg, bevor der Rest der Familie ihn erblicken konnte.
Die Laguna Capitan ist bekannt für ihre Vogelvielfalt; so haben wir in der kurzen Zeit dort einige Störche, Papageien, Schwärme von Silberreihern, einen - verletzten - Flamingo, Chahàs, Taubenschwärme - von denen man erst die Flügelschwärme hörte, ehe man sie sah - und viele weitere Vögel, die wir nicht namentlich kennen, beobachten können.
Weitere Fotos findet ihr in der erweiterten Diashow zur Laguna Capitan.
(Anke)

Montag, 26. April 2010

Supermercado

Kleiner Einblick in das hiesige Warenangebot
Schon des Längeren haben wir angekündigt, mal ein paar Bilder aus Loma Plata, dem Supermarkt usw. einzustellen. Also zeigen wir zunächst einmal den Supermarkt der Cooperative, in Loma Plata der größte Supermarkt, es gibt aber eine Vielzahl anderer "Minisupers" o.ä.:
Die Fotos zeigen nur einige Dinge, die sich vom deutschen Durchschnittssupermarkt unterscheiden, es gibt natürlich noch viel mehr. Von Lebensmitteln über Haushaltsgeräte, Spielzeug und Kleidung bis zu Schreibwaren und Möbeln findet man hier alles - wenn es gerade da ist ;-)

Getrennt von der übrigen - kleineren - Teeauswahl findet man das gigantische Angebot an unterschiedlichen Mateteesorten. Mate (heiß) und Terere (kalt) wird hier von jedem getrunken und ist immer und überall mit dabei.

Nicht nur in der Vielzahl der angebotenen Sorten unterschiedlichsten - meist - Weißmehls, sondern vor allem in der Packungsgröße unterscheidet sich hier die Ware. Daran erkennt man, dass hier noch sehr viel mehr zu Hause gebacken wird als in Deutschland.

Wenn man helle Brötchen von knallhart bis sehr weich haben möchte, hat man auch hier die Qual der Wahl. Das ist nur eines von drei Regalen! Wer allerdings dunkles Brot oder Brötchen sucht, hat nicht so eine große Auswahl. Es gibt eine Sorte - also dann doch selber backen. Dank mitgebrachter und nachgeschickter Brotbackmischungen und mittlerweile auch unterschiedlichster abgewandelter Rezepte aus dem Internet gibt es auch bei uns nicht nur weiße Brötchen. Das geht ja auch irgendwie gar nicht, wenn man aus Deutschland kommt...

Trinkjoghurt: ein Produkt, das hier kaum wegzudenken ist, in Deutschland jedoch kaum existiert - und wenn dann vollgepumpt mit Zucker und Geschmacksstoffen. Den werden wir sicher vermissen, wenn wir wieder zurück sind (aber es gibt ja noch die Niederlande und Schweden, dort gibt es ja auch vernünftigen Trinkjoghurt; in Schweden sogar in mehr als fünf Sorten ;-))Vielen haben wir bereits davon berichtet: Das Obst- und Gemüseangebot ist hier anders als in Deutschland, vor allem deshalb, weil das Zeitfenster zwischen `noch nicht reif´ und `nicht mehr essbar´ sehr klein ist. Äpfel sehen hier meist ziemlich gut aus, Birnen gehen eigentlich auch. Was ein wenige Mühe macht, ist meist das Heraussuchen von ein paar guten Tomaten oder Orangen, manchmal auch Bananen und Paprika, aus einer Vielzahl, die man niemals kaufen würde. Blumenkohl - den es auch ab und zu gibt - geht meist gar nicht, denn ich kenne ihn weiß, nicht schwarzgepunktet... Das größte Problem ist wahrscheinlich, dass man mit den Gemüse- und Obstsorten, die es hier ständig gibt, und die auch oft besser aussehen, aus der heimischen Küche nicht vertraut ist und so nicht wirklich viel mit ihnen anzufangen weiß...

(Anke)

Bilderrätsel, Teil 2

Einsendeschluss verlängert ;-)
Denn bislang hat niemand richtig geraten. Also, bitte her mit euren Vermutungen!
(Anke & Holger)

Sonntag, 25. April 2010

Lehrerausflug

Samstagmorgen, 7:20 Uhr
Wo es in Deutschland schon Probleme gibt, die Lehrer an den Präsenztagen (kurz vor Ende der Sommerferien) zu motivieren, einen gemeinsamen Ausflug zu unternehmen, so traf sich hier in Loma Plata gestern – Samstag – um 7:20 Uhr Ortszeit fast das gesamte Kollegium, um gemeinsam den Vormittag zu verbringen, mit eventueller Verlängerung in den Nachmittag, Abend oder gar Übernachtungsmöglichkeit.
Schnell ging es los, denn es stand viel auf dem Programm. Zunächst sahen wir uns bei der Laguna Capitan eine Rinderzuchtstation an – wir hatten ja persönlich gehofft, das Vogelschutzgebiet gezeigt zu bekommen. Da wir ja die einzigen im Kollegium sind, die kein Spanisch sprechen, es aber einige Lehrer gibt, die kein Deutsch sprechen, wurde alles auf Spanisch erläutert. Für uns und die Kinder also nicht so informativ, aber wir konnten die hier ansässigen Brahmanbullen mal aus der Nähe betrachten – so ein Tier wiegt um die 1000kg und ist einfach riesig. Die Kühe und Kälber sind kleiner, jedoch weitaus störrischer.Ein riesiger Bulle kann mühelos von einem Arbeiter geführt werden, für die „Kälber“ waren immer zwei bis drei Männer notwendig.
Ein Größenvergleich zwischen Bullen und Mensch links und einem neunmonatigen Kalb - dieses war leicht zu führen - und Mensch.



Weiter ging es zur Fortin Isla Poí, einem Schauplatz des Chaco-Krieges (1932-1936). Von der ehemaligen Festung – einer der größten – ist nach der Bombardierung im Krieg lediglich ein Ruinenstück des Soldatenhospitals erhalten geblieben. Auf dem Gelände lebt seit über 40 Jahren ein Mann mit seiner Familie, der sich – wie er erklärte, mehr freiwillig als gegen Bezahlung der Regierung – um die Erhaltung dieses geschichtsträchtigen Ortes bemüht.

Überreste der Fahrzeuge aus dem Chacokrieg.


Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich die Pflanzenversuchsstation Isla Poí; hier sahen wir unsere ersten Baumwollfelder und bekamen von einer Kollegin, die als Kind immer Baumwolle pflücken musste, demonstriert, wie diese fachgerecht aus der Blüte geholt wird.

Baumwollblüten


Außerdem gab es Kafirfelder – ein Getreide, aus dem v. a. Schwarzbrot gemacht wird, aber auch als Tierfutter dient –, Grapefruitbüsche, Olivenbäume – bei denen versucht wird, dass sie auch in Paraguay Früchte tragen; dazu benötigen sie eine mindestens zweiwöchige Winterruhe von unter 20 Grad, was hier aber nicht vorkommt – und vieles mehr.

Kafirpflanzen (Kafir = Hirse?)

Im Anschluss daran machten wir uns auf zum letzten Programmpunkt des Ausflugs: Campo Maria. Im Gegensatz zu einigen Kollegen kannten wir diesen Ort ja schon, und für uns war es der vierte Besuch. Zu unserer Verwunderung sind immer wieder die Menschen, die hier leben, erstaunt darüber, wie „mutig“ wir sind, alleine dort eine Nacht zu verbringen. (Im Nachhinein betrachtet: Wir wussten ja über viele Tiere noch gar nicht Bescheid, etwa die schwarzen Witwen oder Vogelspinnen. Wahrscheinlich hätten wir es aber trotzdem gemacht, aber mit Giftspray bewaffnet!)

In Campo Maria gab es Mittagessen: Asado – gegrilltes Fleisch – und Beilagen (Gurken und Brot); da wir das wussten, haben wir uns unser Essen mitgebracht (Pizza ;-)), die Kinder wollten aber natürlich auch das Fleisch essen. Danach war offiziell Schluss, die meisten gingen noch spazieren, es wurde sich unterhalten, wir sind wieder etwas hoffnungsvoller bezüglich unserer Suche nach jemandem, der uns das Spanische etwas näher bringen kann, und ich habe mich über Ausflugsziele und eines meiner bevorzugten Themen hier unterhalten: Viechzeug. Ein Kollege sagte mir, ihre Lösung – gegen die vielen Klapperschlangen bei ihnen – seien Katzen. Sie haben sieben – wir versuchen es dann erstmal mit dreien; es sind ja auch nur Skorpione bei uns, und keine Klapperschlangen. Auch wenn die Stiche von den kleinen Skorpionen mehrere Wochen Schmerzen bereiten können – wie ein anderer Kollege erzählte – und sie doch größere Ausmaße hier annehmen können, als wir dachten – was eine Kollegin ergänzte. Naja, es sind ja schon weniger geworden…

Kaiman in Tachamar

Auf der Rückfahrt haben wir unser erstes lebendiges, in freier Wildbahn lebendes Krokodil gesehen. Wir hatten einem Kollegen erzählt, dass wir bisher erst eins gesehen haben, und das war schon länger tot. Er sagte darauf, er habe auf der Hinfahrt ein ganz kleines gesehen und beschrieb uns, wo; es war noch da.
Fotos von diesem Lehrerausflug findet ihr in der entsprechenden Diaschau.
(Anke)

Donnerstag, 22. April 2010

CSLP

Schule
Es ist wohl an der Zeit, mal etwas zu unserer Arbeit am Colegio Secundario Loma Plata zu schreiben.
Wie bekannt sein dürfte, bin ich (Holger) mit einer vollen Stundenanzahl hier beschäftigt, d. h. 28 Deutschstunden á 40 Minuten. Ich unterrichte zwei 8. Klassen, eine 9. und drei Kurse im Bachillerato (Oberstufe); dazu kommt noch ein sog. Stützkurs für leistungsschwächere Schüler in Deutsch. Anke unterrichtet eine 8. Klasse in Deutsch und hat zwei Kunst-Kurse. Alles in allem viel Arbeit unter der Woche. Dafür haben wir am Wochenende oft Zeit für kleinere Unternehmungen und längere Einkäufe - sofern keine oder wenig Arbeit fürs Wochenende übrig geblieben ist -, (so wie am vergangenen Samstag in Filadelfia, wo wir in einem Buch- und Andenkenladen einige schöne, kunstvoll von paraguayischen Ureinwohnern gefertigte Holzartikel erwarben).
Was die Unterrichtsthemen angeht, so ähneln sie zu einem großen Teil dem, was auch in Deutschland gemacht wird (zum Beispiel Buchvorstellungen, Verfassen von Inhaltsangaben und Bewerbungsschreiben; die Themen Reisen, Arbeit und Globalisierung in den höheren Kursen). Anke hat, was sie freut, weitgehend freie Hand in Kunst.
Zwar sind die Klassenräume recht spartanisch eingerichtet (Tafel, Pult, Stühle und Tische), doch ansonsten verfügt die Schule über alle Dinge, die man für den Unterricht benötigt, so z. B. Laptops und Beamer, Overhead-Projektoren. Weiterhin haben wir einen PC-Raum und eine gut eingerichtete Bibliothek.
Anfangs noch sehr zurückhaltend, so sind die Schüler mittlerweile aufgetaut und zeigen manchmal problematische Verhaltensweisen. Beispielsweise werden die Hausaufgaben nachlässig oder gar nicht erledigt, im Unterricht wird gequatscht, und in manchen Fällen mangelt es an Respekt. Etwas Gutes hat das allerdings: Dahingehend ist es wie zu Hause ;-)

Informationsveranstaltung und Deutschlehrerrunde in Filadelfia
Am vorletzten Samstag lud uns die Fachschaftsberaterin Deutsch, die für den Chaco zuständig ist, zu einer Einführungsveranstaltung ein, die wirklich - wenn auch berufsfern - recht informativ und interessant war. So erfuhren wir (also meine deutschen Kollegen, die ebenfalls relativ neu sind im Chaco, und ich) Interessantes über die Geschichte der drei Mennoniten-Kolonien, über Landwirtschaft, über Wasser- und Energieversorgung. Auch hörten wir, dass die (Erdnuss-) Ernte in diesem und im vergangenen Jahr besorgniserregend klein ausfiel, wegen der geringen Niederschläge; wir lernten etwas über die Sesamverarbeitung und über eine Organisation, die die Zusammenarbeit zwischen Indio-Siedlungen und Mennoniten-Kolonien fördert und koordiniert.
Und auf Anraten der Fachschaftsberaterin kaufte ich Chlortabletten für unsere Zisternen, da es möglich sei, dass man aufgrund bestimmter Bakterien im Zisternenwasser z. B. eine Mittelohrentzündung bekommen könne. Sofort dachte ich an Amalia und Lenia, die vor einigen Wochen genau deshalb beim Arzt waren. Nun riecht unser Badezimmer nach Schwimmbad!
Jeden Donnerstagnachmittag gibt es entweder Dienstbesprechungen, Fachgruppensitzungen, oder, wie vergangenen Donnerstag, ein Treffen der Chaco-Deutschlehrer mit der Fachschaftsberaterin in Filadelfia. Es ging um kreative Sprech- und Schreibanlässe; es waren ein paar nette Übungen dabei. Beispiel: Ein absurdes Produkt erfinden und ein Gegenüber davon überzeugen, das Produkt zu kaufen – fast gelang es mir, einen Tipp-Ex-Drucker unter die Leute zu bringen :-)

Elternabend
Am Donnerstag in der letzten Woche erhielten die Schüler Info-Blätter, die über ihren momentanen Leistungsstand informierten. Tags darauf fand ein Elternabend statt, um kurz vor sieben. Dank der Zeitumstellung ist es um diese Zeit schon dunkel. Selten habe ich einen so schönen Mond gesehen: eine dunkle Scheibe, die sich vom schwarzen Himmel absetzte, mit einem ganz schmalen, angeleuchteten Rand.
Zunächst informierten meine Kollegin (hauptsächlich) und ich (ein bisschen) einige Eltern über die Deutschlandreise, die achtzehn Schüler aus dem zweiten Oberstufenkurs im November unternehmen werden. Für sie geht´s am 21. November auf nach Deutschland, und wir begleiten sie.
Meine Kollegin sagte in Bezug auf Elternabende einmal, dass, wenn niemand mit einem sprechen wolle, alle mit dem Unterricht zufrieden seien. Ich hatte an dem Abend viel freie Zeit für das Korrigieren von Arbeiten, kann also wohl so weitermachen wie bisher ;-)

(Schul-) Aktivitäten
Das kommende Schuljahr hält noch zahlreiche Zusatzaktivitäten für uns bereit. So erwartet uns morgen, Freitag, ein Vorlesewettbewerb der achten Klassen der Kolonie Menno und am Tag darauf ein Lehrerausflug. Im Juli findet das sog. musische Treffen statt, ein kreativer Wettstreit zwischen den deutschen Schulen Paraguays, dann ein interkoloniales Lehrertreffen mit Workshops in Neuland, später, nach den Winterferien im Juli, folgt die Argentinische Deutschlehrerkonferenz in Buenos Aires, und und und… Ja, nicht zu vergessen: Wir bekommen auch noch Besuch!! Wunderbar! Es wird also nicht langweilig werden.
(Holger)