Auf einer (wegen der beeindruckenden Pflanzenvielfalt) wunderschönen Straße fuhren und spazierten wir ins Dorf Mururata, wo viele Afrobolivianer leben. Dort stellte uns der Reiseleiter auch die Königin und den König dieser ethnischen Gruppe vor; sie haben keinerlei Macht, sondern einen kleinen Laden, und werden im Rahmen von Festen entsprechend inszeniert und ausstaffiert. Für einen kleinen Betrag durften wir ein Foto von den beiden machen – eine recht peinliche Geschichte irgendwie. Naja. Bemerkenswert ist, dass dieses „Königshaus“ vor einigen Monaten von staatlicher Seite offiziell anerkannt wurde, d. h. das Bolivien nun eine partielle Monarchie besitzt.
Exkurs 4: Der Ursprung der Inka-Kultur
Was die Tempel angeht: Man weiß bis heute nicht genau, wie die Steine für die Bauten, die z. T. 10 Tonnen wogen, transportiert wurden. Auch ist unklar, wie es die Tiwanaku schafften, Steine so zu bearbeiten, dass sie eine extreme Glätte sowie filigrane Muster aufweisen.
Fest steht, die Steinmetze müssen ein Wissen gehabt haben, was heute verloren ist. Wer weiß, vielleicht hat Erich von Däniken ja Recht, und Außerirdische haben mitgemischt? Aber seriöse Archäologie ist das nicht; sie sagt stattdessen lediglich, dass man es (noch) nicht weiß. 1909 beobachtete ein englischer Forscher, dessen Name mir entfallen ist, wie Vögel für den Nestbau Löcher in Felsen hackten, indem sie den Stein zuvor mit einer Pflanze „behandelt“ hatten, die selbigen durch Pflanzensäure porös machte. Vielleicht kannten die Tiwanaku diese Pflanze und machten sie sich zu Nutze?
Die Nahrungsmittel für Tiwanaku stammten vorwiegend aus der Gegend um den Titicacasee. Dort, vor allem auf der Sonneninsel, wurden Terassen für die Landwirtschaft angelegt, und zwar mit einer für das Pflanzenwachstum optimalen Erde, die extra von anderen Stellen des Tiwanaku-Reiches hergebracht wurde, auf die Insel.
Irgendwann – um 1100 n. Chr. – gab es im Tiwanaku-Reich eine etwa 80 Jahre andauernde Trockenperiode; wahrscheinlich waren auch Vulkanausbrüche im Spiel. Aufgrund der Nahrungsmittelknappheit stürzten die Tiwanaku in eine Krise: Für ein ursprünglich nicht kriegerisches Volk kamen nun Gewalt und Schlachten gegen andere Völker. Irgendwann verbesserte sich die Lage: Ein Tiwanaku-Herrscher sieht nach Monaten die Sonne wieder, nachdem sie von Vulkanasche verdunkelt worden ist. Er begreift, wie wichtig die Sonne für das Leben ist, und er verehrt sie fortan wie einen Gott.
Und er begreift sich fortan als Sohn der Sonne, mit dem Auftrag, ein neues Reich zu gründen. Der Legende nach geschieht dies auf der Sonneninsel im Titicacasee. Der letzte Tiwanaku-Herrscher und gleichzeitig erste Inka-König erhält einen goldenen Stab: Dort, wo der Stab ganz leicht in die Erde gleitet, soll das neue Reich entstehen. Dies passiert in Cusco. Das Inka-Reich entsteht um 1200 n. Chr.
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