Bienvenidos! Willkommen! Welcome!

Familie VOS schrieb aus dem paraguayischen Chaco, 2010-2011.



Donnerstag, 4. Februar 2010

Doch ein bisschen Abenteuer

Eine Nacht in Campo Maria
Um die schulfreie Zeit noch einmal richtig zu nutzen, hat Holger überlegt, man könnte doch noch mal eine Nacht im Naturreservat Campo Maria – in dem wir schon einmal waren – verbringen.
Also fuhren wir am Dienstagnachmittag los. Geplant war – nach Karte – den kürzer erscheinenden Weg über die Ruta zu nehmen, den wir beim letzten Rückweg nicht gefunden hatten. Geplant…
Und so ist es dann gekommen:
Direkt hinter der Grenze der Kolonie standen paraguayische Polizisten und machten eine Verkehrskontrolle. Uns war klar, dass wir angehalten werden würden – ohne Kennzeichen, ohne Papiere etc.… So gaben wir dem ausschließlich spanisch sprechenden Polizisten unsere Pässe – für ihn natürlich vollkommen fremd, und versuchten ihm zu erklären bzw. stammelten spanische Brocken vor uns hin, die ihm bzw. ihnen – es waren jetzt zwei – sagen sollten, dass das unser Wagen sei, wir jedoch keine Papiere und kein Kennzeichen haben, weil das alles in der Botschaft in Asuncion noch geregelt würde. (Nur so nebenbei: Uns wurde von allen hier gesagt, es sei kein Problem, ohne die ganzen Dokument hier herumzufahren.)
Er hat verstanden, dass wir jetzt nach Asuncion wollen. Und so wollte er uns ungern durch das ganze Land in die Hauptstadt fahren lassen.
Glücklicherweise konnte Holger seinen Chef erreichen, der per Telefon alles erklärt hat, als die Verbindung abbrach, hat der Polizist Holger unsere Ausweise und das Handy gegeben, ihm „amigo“ sagend auf die Schulter geklopft und wir konnten weiter!
Also wir fuhren weiter. Wer den Blog aufmerksam verfolgt, weiß was kommt. Ja, wir haben uns verfahren. Bzw. die Straße, die wir nehmen wollten, kam nicht. Da wir aber nicht zurück an den Polizisten vorbei wollten, sind wir einfach die nächste auf der linken Seite reingefahren, die es gab und fanden uns auf einer Straße wieder, die so wirkte als würde sie irgendwann in den Kuhweiden enden. Aber wir sind erstmal ein Stück weiter gefahren. Irgendwann sahen wir einen Bauwagen auf der einen und einen Menschen auf der anderen Straßenseite und beschlossen zu fragen „Donde es Campo Maria?“ inklusive zeigen auf unsere Karte. Aber – juchu – es war ein Mennonit, wir konnten also unsere hervorragenden Spanischkenntnisse beiseite lassen und haben alles verstanden. Wir haben sogar eine Karte gezeichnet bekommen, da die Straße, auf der wir uns befanden, bei uns nicht eingezeichnet war.

Und dann waren wir da. Geplant war im Auto zu schlafen, aber der Besitzer (?) des Naturreservats sagte, wir könnten auch auf dem Aussichtsturm – dessen genaue Lage ich mir habe beschreiben lassen – schlafen. Also wollten wir das jetzt tun.
Auf dem Weg durch das Reservat sahen wir wieder diverse Vögel und einen Pekari – so etwas wie ein Wildschwein. Waren aber leider nicht schnell genug, um es zu fotografieren.

Wir sind bis zu dem Turm gefahren, der sich auf einer aufgeschütteten Erhebung befindet, haben uns ein wenig über die vielen großen Löcher im Boden gewundert und auf dem Turm gegessen.

Dann sind wir zum Wasser gegangen. Die Kinder haben – wie immer – gematscht. Holger hat ein Floß o.ä. im Wasser erklommen und ich habe das nachgemacht. Mit dem Ergebnis, dass ich beim Rückweg auf dem blöden Salzschmodder auf dem Stamm ausgerutscht und samt neuer Kamera ins Wasser gefallen bin. Die sich jetzt leider nicht mehr anmachen lässt. Ich hoffe, dass sie in Deutschland noch repariert werden kann. Ich werde sie mal in die Heimat schicken – aber erst, wenn wir wissen, dass Pakete gut die Strecke überstehen.
Naja, danach war bei mir die Stimmung erst mal so ein bisschen schlecht aber wir mussten unser Nachtlager bereiten und hatten nicht so viel Zeit um sauer zu sein. Ach ja, hatte ich erwähnt, dass das Wasser nur auf den Fotos so aussieht, als könne man darin schwimmen? Es ist – wie man sehr gut riecht – ziemliches Gammelwasser mit lauter kleinen Larven drin. Also roch ich auch nicht so toll.
Aber wir hatten 10 Liter Wasser zum Waschen mit. Eigentlich für die Kinder – denn letztes Mal ist Lenia in das Stinkewasser gerannt und im Schmodder davor schon ausgerutscht. Aber so hatte ich mehr Wasser nötig als die Kinder.
Als wir alle einigermaßen sauber waren und das Nachtlager gerichtet hatten, konnten wir essen, die Aussicht auf die Lagune mit den Flamingos und den Sonnenuntergang genießen und nachher im dunklen den besten Ausblick auf die Milchstraße haben.
Als Holger noch mal vom Turm runter ist, hat er gesehen, was das für Löcher rund um den Turm sind: Spinnenwohnungen. Viele und relativ groß. Als er später noch mal runter ist – was ich in der Dunkelheit niemals getan hätte – hat er auch entdeckt, das es einzelne riesige gibt: unsere erste Vogelspinne! Und er ist sogar noch mal mit Kamera zurück (siehe Videoclip)!
Die Hitze in der Nacht war relativ erträglich, da sehr starker Wind war. Die Kinder und der Mann haben recht gut geschlafen. Ich habe mir Gedanken über Spinnen, sonstige Krabbelviecher und die riesigen Tatzenabdrücke vom Strand gemacht! Ich war froh als gegen 6 Uhr die Sonne wieder aufging! Wieder konnten wir tolle (wenn auch irgindwie j+kitschig anmutende) Bilder von Flamingos im Sonnenaufgang über Wildnis usw. genießen.
Gegen 7 Uhr sind wir dann unter Protest Amalias aufgebrochen. Auf dem Rückweg durch das Reservat haben wir – neben anderen interessanten aber nicht so spektakulären Tieren – einen Ameisenbären gesehen – auf dem Foto ist er leider nur als dunkler Fleck zu erkennen (siehe roter Rahmen - der noch schlechter zu erkennen ist als der Ameisenbär!).
Zum ersten Mal haben wir den Weg nach Karte gefunden und uns nicht verfahren, sodass wir relativ zügig zu Hause waren.
Wir haben uns kurz bei den besorgten Eltern/Großeltern zurückgemeldet, Kaffee getrunken – und geduscht!
Trotz des Kameraverlustes war es toll und jeder, der uns besuchen wird, wird dieses Fleckchen wohl zu sehen bekommen. – Und wer ganz mutig ist kann vielleicht auch bei den Vogelspinnen schlafen!
(Anke)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen